Sonntag, 12. Oktober 2008


Sprachliche Sitten

Der Sprachbloggeur schreibt in seinem Blog über Sitten und Unsitten in unserer Gesellschaft. Darüber, dass viele Menschen - vor allem Ältere - mit Verniedlichungsformen angesprochen werden, darüber, dass der Bankdirektor ihn und seine Mutter als "guys" bezeichnete, und dass die ganzen Erwachsenen immer mehr zu Kindern werden.

"Erst vor ein paar Tagen habe ich in der International Herald Tribune vom "elderspeak“ erfahren. Will sagen, dass alte Leute von anderen zunehmend ohne Distanz – wie Kinder also – angesprochen werden. Es kommt oft vor, dass sich ein Mensch im "goldenen Alter“ von wildfremden Menschen Verniedlichungen anhören müsse wie "dear“ oder "sweetie“ – etwa "Schätzchen“ oder "Mäuschen“.

[...]

Als ich einmal mit meiner Mutter auf der Bank war, wo wir einen Termin mit dem Geschäftsführer, dem "Manager“, hatten, habe auch ich diese Erfahrung gemacht, . "What can I do for you guys?“ fragte er. Etwa: "Was kann ich für euch Hübsche tun.“ Eigentlich ist ein "guy“ ein "Kerl“. Meine Mutter war diese Umgangsform gewöhnt. Ich nicht. "Das erste, was Sie tun können, wäre etwas respektvoller zu reden. Meine Mutter ist kein 'guy’“, war meine Antwort.

[...]

Der Konsum verwandelt Erwachsene zunehmend in habgierige Kinder. Ständig will man das neueste Mobiltelefon-, Rechner-, MP3-Spieler- (oder Aktienpaket-!) -Model haben. Die Werbung zielt mittlerweile auf Erwachsene als Käufer von Spielkonsolen – zu Zwecken des "Hirntrainings“, wie es so schön heißt."

(Kompletter Artikel auf blogs.pm-magazin.de/SprachBlog)

Find ich gut! Also das mit dem Kinderwerden und mit dem Loslassen von alten Traditionen und dem fröhlichen Entgegen eines freundlichen "Hallo" statt eines strengen "Guten Tag".
Von den Kindern können wir eben einfach noch so viel lernen: Die Unbesonnenheit mit der sie durchs Leben laufen und wie sie auf Höflichkeitsformen verzichten, weil sowas eben einfach nur schwachsinnig ist und höchstens das eigene angekratzte Ego wieder stärkt.

Nunja, ich habe seinen Beitag mal kommentiert:

"Hm... irgendwie kann ich das Ganze nachvollziehen, dann aber auch wieder nicht. Klar sollten wir alle eine gewissen Höflichkeitsform wahren und ich finde es auch unangebracht, alte Leute mit "Schätzchen" oder "Süße" anzusprechen, aber vielerorts sind wir meines Erachtens einfach viel zu verklemmt.
Zum Beispiel grüße ich bei uns im Ort jeden Menschen - ob ich ihn kenne oder nicht - mit einem freundlichen "Hallo". Viele Menschen schauen mich dann ganz verdutzt an und überlegen ob sie mich kennen, grüßen manchmal mit einem "Hallo" zurück, oftmals aber nur mit einem "Guten Tag". Den Mitmenschen freundlich gegenüberzutreten finde ich eine gute Sache - klar, das war bei der Situation mit dem "What can I do for you guys" vielleicht etwas verwirrend, aber im Grunde wollte der Geschäftsführer auch nur nett sein und eine angenehmere Atmosphäre schaffen. In meinem Fall hätte er damit wohl goldrichtig gelegen und ich wäre hocherfreut gewesen. Nunja, man kann es eben nicht jedem Menschen recht machen.

Trotzdem finde ich es schön, wenn mich auch andere Menschen mit "Hallo" grüßen, statt dem formellen "Guten Tag". Meiner Meinung nach haben wir uns viel zu sehr in Gewohnheiten zurückgezogen und öffnen uns nur ungern für Neues. Dabei gibt es keinen ersichtlichen Grund dafür!

Dass wir uns in Kinder zurückverwandeln ... tja, das ist so eine Sache. Jesus hat mal gesagt, dass wir so werden sollen wie die Kinder. Damit meinte er garantiert nicht die habgierigen Kindern von denen Sie / du schreiben / schreibst. Aber ich denke, ein wenig mehr Kindlichheit kann niemandem von uns schaden. Denken wir einfach nurmal zurück. Damals haben wir uns keine Gedanken darüber gemacht, ob wir gesiezt oder geduzt werden, ob jemand uns Schätzchen anredet oder Herr / Frau. Und kreativer waren wir als Kinder allemal!!!"


Was hältst du von Verunglimpflichungen der Sprache? Von Rotzbengeln die dich nicht siezen und von spielenden Kindern? Lass deinen Gedanken freien Lauf und tob dich in den Comments aus!
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