Jeder Mensch durchschreitet in seinem Leben eine Entwicklung von einer scheinbaren Unkenntnis zu einer tieferen Erkenntnis. Für viele Menschen bedeutet das einfach das Erwachsenwerden. Sich als Teil unserer Gesellschaft zu identifizieren und darin zurechtzufinden. Doch ist diese Änderung vom Kindsein zum Erwachsensein garnicht mal so groß. Unser Umfeld gibt uns Vorgaben an die wir uns halten und auf die wir uns stützen können, wir bekommen Hilfe wenn wir nicht weiterwissen und werden getadelt für das was wir falsch gemacht haben. Sei es durch den Staat, unseren Vorgesetzten oder aufgrund von kulturellen Verhaltensmustern. Dabei reden wir uns ein, dass wir das alles für ein friedliches Zusammenleben tun, da die Welt sonst im Chaos versinkt. Und damit wir keine Minderwertigkeitskomplexe bekommen weil uns so viel vorgegeben wird, tun wir es den uns Übergeordneten gleich und befehlen, wissen und empfehlen wo es nur geht. Dass wir dabei manche Dinge komplizierter machen als sie sind, ist uns nur Recht, da wir dadurch an Macht gewinnen, wenn nur wir selbst den Durchblick haben.
Vor einigen hundert Jahren haben wir damit begonnen, Alles zu erklären. Wir haben einen enormen technologischen Fortschritt gemacht und können Dinge tun, die man wenige hundert Jahre zuvor noch als Hexerei empfunden hätte. Und trotzdem liefert uns unser ganzer Fortschritt immernoch nicht die Antworten auf so viele ungeklärte Fragen: Gibt es Gott? Wie ist unser Universum entstanden? Weitere Fragen habe ich übrigens in meinem vorherigen Beitrag gepostet. Jeder Mensch stellt sich in seinem Leben früher oder später diese Fragen. Vielen jedoch ist es lieber, alles von Anderen vorgekaut zu bekommen und "einfach nur ein schönes Leben zu führen". Ihr Ziel ist, möglichst wenig nachzudenken und trotzdem soviel wie möglich zu erreichen. Sie lenken sich ab durch materielle Dinge, scheffeln Geld, unterdrücken andere Menschen und machen sich einen faulen Lenz.
Was es ist
Es ist Unsinn sagt die Vernunft
Es ist was es ist sagt die Liebe
Es ist Unglück sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz sagt die Angst
Es ist aussichtslos sagt die Einsicht
Es ist was es ist sagt die Liebe
Es ist lächerlich sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich sagt die Erfahrung
Es ist was es ist sagt die Liebe
Erich Fried (1921-1988)
(aus: »Es ist was es ist«)
Für mich bedeutet Leben allerdings ganz klar viel mehr. All das materielle, all das was wir fühlen, schmecken oder riechen können, ist nur ein kleiner Teil von all dem was uns umgibt. Das wird mir immer dann klar, wenn ich so ein wohliges Gefühl in der Magengegend bekomme, sobald eine mir sympathische Person den Raum betritt; oder wenn es mir zum hundertsten Mal passiert, dass ich einem Freund über ICQ Hallo sagen will und er mir genau im selben Moment schreibt. Dann erkenne ich, dass all diese Momente die wir als Zufälle abtun eigentlich garkeine sein können, und all diese Gefühle, Träume und Hoffnungen wohl doch mehr sein müssen als bloße chemische Reaktionen unseres Körpers auf bestimmte äußere Signale. Klar, man kann es in gewisser Weise auch so definieren, aber wer hat denn diese ganze Chemie, Physik und was weiß ich noch alles erfunden? Also ein Mensch war es sicherlich nicht, und ein Tier wohl auch nicht. Bleiben also nurnoch entweder weiterentwickelte Wesen oder eben der Zufall übrig. Demzufolge müsste dann unser gesamtes Leben aus Zufällen bestehen. Wir wären zufällig entstanden, weil es eben gerade einfach so mal passiert ist. Und warum ist dann alles hier so schematisch unterteilt und sortiert, ja, warum streben wir geradezu nach einer Ordnung die uns alles erklärt? Vielleicht weil es da draussen noch eine viel größere Ordnung gibt, die alles so lenkt, dass es so ist wie es ist? Und wir sind ein Teil davon, tragen dazu bei. Unser Glaube versetzt Berge, der Zufall letztens war Schicksal und sowieso wollen wir alles wissen und uns somit dem Göttlichen nähern.
Ob es dabei gut ist, das Alles alleine zu versuchen? Mit Sicherheit nicht. Wenn ein Mensch ausreichen würde, das Rätsel des Lebens zu lösen, dann gäbe es mit Sicherheit auch nur einen Menschen auf dieser Erde. Raufen wir uns also zusammen, denken mal nicht an all das Materielle, das uns so alltäglich vermeintlich das Leben versüßt, reißen uns von alten Strängen los, vergessen, dass ein Indianer keinen Schmerz kennt, überbrücken die Hürde die zwischen unserer Familie und den restlichen Menschen steht und tun all den Menschen auf dieser Welt das, was wir wollen, das sie uns tun. Wenn wir ersteinmal erkennen, dass wir zusammen mehr erreichen können, ja, ein Leben leben können, so wie es uns in der Geschichte vom Paradies beschrieben wird, und das allein dadurch, dass wir auf unser altes Wertesystem scheißen und so leben wie es unser Herz für richtig hält, ja, dann ist die Welt mit Sicherheit ein gutes Stück näher zusammengerückt.
In den letzten Tagen habe ich mir nochmal sehr viele Gedanken darüber gemacht und einige Erkenntnisse gehabt. Im Grunde müsste ich diesen Artikel hundertmal so lang schreiben wie er im Moment ist, aber dazu fehlt mir im Moment die Zeit und ich denke auch, dass es für meine Leser angenehmer ist, diese harten Brocken in kleinen Stückchen präsentiert zu bekommen. Ich habe die letzte Woche jeden Tag Stunden (die sich manchmal bis in die späte Nacht zogen) damit verbracht mit einer sehr guten Freundin die ich erst kurz zuvor kennengelernt habe über solche Themen zu philosophieren. Dabei habe ich einen enormen Entwicklungsschub gemacht und kann mich nun Aufgaben stellen, von denen ich Monate zuvor noch heillos überfordert gewesen wäre. Andere fremde oder früher verhasste Menschen zu lieben, fällt mir immer einfacher und ich spüre wie Energie mein ganzes Leben durchfließt und ich vor nichts und niemandem mehr Angst haben muss.
VON DER LIEBE
Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr
sind ihre Wege auch schwer und steil.
Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin
auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.
Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie,
auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann
wie der Nordwind den Garten verwüstet.
Denn so, wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich.
So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen und die zartesten Zweige liebkost,
die in der Sonne zittern,
steigt sie hinab zu deinen Wurzeln und erschüttert sie in ihrer Erdgebundenheit.
Wie Korngarben sammelt sie dich um sich.
Sie drischt dich, um dich nackt zu machen.
Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien.
Sie mahlt dich, bis du geschmeidig bist;
und dann weiht sie dich ihrem heiligen Feuer,
damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.
All dies wird die Liebe mit dir machen,
damit du die Geheimnisse deines Herzens kennenlernst
und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst.
Aber wenn du in deiner Angst nur die Ruhe und die Lust der Liebe suchst,
dann ist es besser für dich, deine Nacktheit zu bedecken
und vom Dreschboden der Liebe zu gehen
in die Welt ohne Jahreszeiten, wo du lachen wirst
aber nicht dein ganzes Lachen,
und weinen, aber nicht all deine Tränen.
Liebe gibt nichts als sich selbst und nimmt nichts als von sich selbst.
Liebe besitzt nicht, noch läßt sie sich besitzen;
denn die Liebe genügt der Liebe.
Wenn du liebst, solltest du nicht sagen:
"Gott ist in meinem Herzen", sondern:
"Ich bin Gottes Herzen".
Und glaube nicht, du kannst den Lauf der Liebe lenken,
denn die Liebe, wenn sie dich für würdig hält,
lenkt deinen Lauf.
Liebe hat keinen anderen Wunsch, als sich zu erfüllen.
Aber wenn du liebst und Wünsche haben mußt,
sollst du dir dies wünschen:
zu schmelzen und wie ein plätschernder Bach zu sein;
und willig und freudig zu bluten.
Bei der Morgenröte mit beflügeltem Herzen zu erwachen
und für einen weiteren Tag des Liebens dankzusagen;
zur Mittagszeit zu ruhen und über die Verzückung der Liebe nachzusinnen;
am Abend mit Dankbarkeit heimzukehren;
und dann einzuschlafen mit einem Gebet für den Geliebten im Herzen und einem Lobgesang auf den Lippen.
Alle Gedichte stammen von karin.de.
Was ist für dich der Sinn des Lebens? Arbeiten für Geld oder Arbeiten für dich? Gibt es einen Gott? Wirst du geliebt oder liebst du sogar selber? Schreib deine Erlebnisse und Gedanken in die Comments!
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